„Es ist eigentlich unvorstellbar: Mehr als 25 Jahre nach der Gründung der Europäischen Währungsunion haben hochrangige Vertreter Deutschlands nicht einmal im Ansatz begriffen, was es bedeutet, eine solche Union eingegangen zu sein.
Heiner Flassbeck während einer Tagung in der Schaubühne Berlin 2018
Schröder konnte man, wenn man sehr wohlwollend ist, noch zugutehalten, dass die Währungsunion gerade gegründet war und er es nicht besser wusste, aber mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Gründung zu einem erneuten Bruch der elementarsten Regeln einer solchen Union aufzurufen, ist an Dreistigkeit und Skrupellosigkeit nicht mehr zu überbieten.
Die elementarste Regel heißt nämlich: Ich verspreche dir, wenn du mit mir eine Währungsunion eingehst, dass ich niemals mehr versuche, dich auf der Ebene der Volkswirtschaft zu unterbieten.
Wenn ein Land von aggressiven Nachbarn, die ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern wollen, ange-griffen wird, steht ihm eine entscheidende Waffe zur Verfügung, die Abwertung seiner Währung. Mit der Währungsunion haben alle Länder darauf verzichtet.
Das Prinzip geht weit über Europa hinaus. Es gibt keine internationale Vereinbarung, keinen interna-tionalen Vertrag, die einem Land erlauben würde, mit dem Mittel der realen Abwertung, also mit einer „Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit“, sich selbst aus einer wirtschaftlichen Misere zu retten und andere Länder damit unmittelbar in größere Schwierigkeiten zu bringen. Im Gegenteil, das ist sowohl in Europa wie in der Welthandelsordnung verboten.“




